PFARRBRIEF Nr. 9 | 28. Oktober bis 25. November 2018

Liebe Angehörige unseres Pfarrverbandes, liebe Freunde,

am 1. und 2. November werden wir an den Gräbern unserer Verstorben stehen, uns an sie erinnern und für sie beten. Damit werden wir – ich vermute – mit dem Gedanken an den eigenen Tod konfrontiert. Natürlich geht jede/r damit anders um. Auch viele von uns haben schon eine feste Vorstellung davon, wie Sie beerdigt werden sollen, wenn Sie von dieser Erde gehen müssen. Auch viele Katholiken sind unsicher und verdrängen dieses Thema. Ich möchte heute diese Gelegenheit ergreifen und Ihnen, liebe Freunde, die klare Aussage geben, wie die katholische Kirche zur Erd- und zur Feuerbestattung steht.

Zuerst eine klare Antwort: Die katholische Kirche hat nichts gegen eine Feuerbestattung, „sofern sie nicht den Glauben an die Auferstehung des Leibes infrage stellen will“ (Katholischer Katechismus, Nr. 2301). Wie soll man den zweiten Teil dieses Satzes verstehen. Es geht hier ganz konkret um den Kern unseres christlichen Glaubens, d.h. der Mensch ist ein geistig-seelisch-leibliches Wesen. Nach dem Tod des Menschen sollen wir nicht nur von seiner Seele sprechen, wie von einem Teil seiner Ganzheit – obwohl in ihr die Kirche das Element unserer Unsterblichkeit sieht –, sondern vom ganzen Menschen. Das, was uns zu Menschen macht, ist diese geistige und materielle Dimension. Wir sind keine bloße Materie, die irgendwann verwest, und nach der nichts verbleibt, sondern wir sind viel mehr, wir haben auch ein geistiges Leben, wir spüren, dass wir unsere Welt übersteigen und selber eine eigene Welt schaffen. Andererseits sind wir auch keine bloßen Geister. Unser Gott ist in Jesus Christus selber auch einer von uns geworden, er ist Mensch geworden, was wir jedes Jahr an Weihnachten feiern. Er ist auch gestorben, wurde begraben und ist leiblich auferstanden – was wir ebenfalls in unserem Glaubensbekenntnis sprechen.

Der menschliche Leib, obwohl er viele Unzulänglichkeiten besitzt, wurde uns von Gott geschenkt und deswegen gilt ihm eine Wertschätzung, nicht nur wenn er lebendig ist, sondern auch wenn er tot ist. Von Anfang an gingen die Christen mit den Leichnamen der Verstorbenen mit Ehrfurcht um, sie beerdigten die Toten, haben für sie gebetet und ihrer gedenken. Ihre Gräber wurden Orte des Gebetes, des Andenkens und der Besinnung. Über die Gräber der heiligen Menschen bauten die Christen die Kirchen (z.B. Petersdom in Rom), weil wir, Christen, an die Gemeinschaft mit den Verstorbenen, die bei Gott sind, glauben. Wir bilden zusammen mit ihnen die eine Kirche. Dem christlichen Verständnis des Auferstehungsglaubens widersprechen alle Ansichten, die irgendwelche Zweideutigkeiten mit sich bringen. Das heißt konkret der Glaube an Reinkarnation (Übergang der Seele eines Menschen in einen neuen Körper und eine neue Existenz; Seelenwanderung), an Pantheismus (Lehre, nach der Gott in allen Dingen der Welt existiert bzw. Gott und Weltall identisch sind), an Naturalismus (Weltanschauung, nach der alles aus der Natur und diese allein aus sich selbst erklärbar ist) oder an Nihilismus (weltanschauliche Haltung, die alle positiven Zielsetzungen, Ideale, Werte ablehnt; völlige Verneinung aller Normen und Werte). Solche Anschauungen, die eigentlich so alt sind wie der Mensch, widersprechen unserem österlichen Glauben und sind mit ihm nicht vereinbar.

Aus diesen Gründen sieht die Kirche eine Beisetzung der Urne im Friedwald skeptisch. Sie lehnt auch anonymes Verstreuen der Asche auf dem Land, in der Luft, im Wasser ab oder sie in Erinnerungsgegenständen, Schmuckstücken oder anderen Objekten aufzubewahren. So wird der Tod unsichtbar und die personale Würde des einzelnen Menschen über den Tod hinaus verdunkelt. Wie die Menschen mit ihren Verstorbenen umgehen, spricht von ihrer Kultur und ihrem Glauben. Ich hoffe, dass ich Ihnen ein bisschen geholfen habe im Verstehen des katholischen Standpunktes hinsichtlich der Feuerbestattung. Wenn Sie noch Fragen haben oder einfach darüber sprechen möchten, stehe ich Ihnen jederzeit zur Verfügung!

Dabei möchte mich bei allen bedanken, die die Gräber auf unseren beiden Friedhöfen liebevoll pflegen.

Mit herzlichem Gruß, Segen und Gebet

Ihr Pfarrer Przemyslaw Nowak

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